Visions Teams oder Basis Gruppen
Es zeigte sich rasch: Die Tagung war nicht das Ende, sondern der Anfang. Der Anfang einer Bewegung, die auf Resonanz stösst und das Potential hat, Menschen zu verändern. Doch, wie ist es möglich, das Gefühl der Ermutigung und inneren Stärke in die Welt zu tragen und im Alltag aufrecht zu erhalten?
Barbara Sher, Erfinderin der Erfolgsteams, teilte in einem Interview mit, dass gerade die Verbindung von kleineren Gruppen zu grösseren Netzwerken eine tragende Kraft bilden kann. Ihr Credo: „Isolation ist ein Traumkiller“ sollten wir ernst nehmen, denn wir können noch weiter gehen: Erinnern wir uns an Kaiser Friedrich II (1194-1250), der in einem makabren Experiment auf der Suche nach der von der Zivilisation unverfälschten Ursprache der Menschheit Kinder ohne Zuwendung und Ansprache gross ziehen liess. Die Kinder hatten zwar jegliche Nahrung, aber ansonsten keinerlei Zuwendung: Anstatt der Entdeckung der Ursprache führte das Experiment zum raschen Tod aller Kinder! Isolation also nicht nur als Traumkiller, sondern als Killerfaktor schlechthin? Eine Botschaft, die in der westlichen Welt aufhorchen lassen sollte. Doch, wo liegt die Lösung? Wie können wir Beziehungs-Netzwerke bilden, die uns unterstützen, nähren, fördern?
Wenden wir den Blick in den Osten: Die Grameen-Bank von Muhammad Yunus als Modell-Projekt des Social Business macht es vor. Menschen, die ärmsten der Armen, mit tragenden Geschäftsideen bilden Klein-Teams von fünf Personen. Sie beraten, ermutigen und motivieren einander im Umfeld totaler Armut. Sicherheit für die Bank als Kreditgeber basiert einzig und allein auf der schöpferisch-kreativen, eigenverantwortlichen Unternehmenskraft der einzelnen Teammitglieder und der Bürgschaft, die sich die Teammitglieder gegenseitig zusichern. Je eine Teamverantwortliche dieser Klein-Teams bildet das Bindeglied zu Bank-Vertretenden. Peter Spiegel hält fest: „Modernes Consulting in Industrieländern erhält dadurch sein Pendant in den ländlichen Armutsregionen Bangladeschs. Letzteres ist in mancher Hinsicht vielleicht sogar moderner, weil es die Vorteile von gruppendynamischen Prozessen intensiver nutzt: Zehn Beobachteraugen sehen mehr als zwei, wechselseitiger Nutzen verbindet und motiviert mehr, gleiche Augenhöhe aller Beteiligten schafft grössere Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit. Und ein Team, das gleichzeitig eine verschworene Gemeinschaft in einem schwierigen Umfeld zusammenwachsen lässt, setzt andere Energien frei als eine Consultingsituation, die nach einem begrenzten Auftrag wieder aufgelöst wird.“ (Spiegel, S. 37f)
Ansätze dieser Idee sind bei uns heute schon vorhanden, etwa in Learning Communities. Dabei handelt es sich um Teams von Menschen mit ähnlichen Zielen oder fachlichen Hintergründen, die sich gegenseitig in gemeinsamen Lernprozessen unterstützen und ein gemeinsames Wissen generieren. Der Schweizer Berufsverband für Supervisoren und Organisationsentwickler BSO funktioniert mit seinen Intervisionsgruppen und der kollegialen Beratung und Qualitätssicherung auf ähnlichen Ansätzen. Es ist aber das enorme Potential dieser Netzwerke noch kaum erkannt und umgesetzt worden. Andere Beispiele sind etwa Selbshilfegruppen.
Hier setzt die Vision des Visions Forum Schweiz an. Stellen wir uns vor: Wir bilden ein starkes, weltumspannendes stabiles Netzwerk von Menschen, die sich in Bezug auf das Leben ihrer eigenen Träume unterstützt. Es gehört sozusagen zum Geburtsrecht eines jeden Menschen, in Visions-Teams eingebunden zu werden. Alle erfahren hier Unterstützung, Selbstbestätigung, Ermutigung, die eigenen Träume zu leben. Grundlage dieser Teams bildet das Visions-Manifest. Inhaltlich sind die Prozesse völlig frei. Alle Visions-Teams sind verbunden mit dem Gesamt-Netzwerk, das Synergien bündelt und gemeinsame Projekte verwirklicht.
Welche Ordnungsstrukturen und Grundprinzipen können hilfreich sein, um ein wirkungsvolles, menschendienliches Visions-Netzwerk zu erstellen? Es gelten hier verschiedene Grundannahmen:
1. Kybernetisches Netzwerk: Netzwerkstrukturen sind dann besonders stabil, wenn Menschen einen hohen Vernetzungsgrad aufweisen. Teams bilden das Fundament des Netzwerkes, die Teams ihrerseits sind wiederum verbunden mit anderen Teams und bilden so ein Netzwerk. Frederic Vester stellt fest, dass „die Zahl der Vernetzung offenbar nicht so wichtig ist wie die Art ihrer Anordnung. (...) An lebenden Systemen können wir beobachten, dass Stabilität und Überlebensfähigkeit – vor allem, wenn ein solches System grösser wird – nicht zu einem blinden, mengenmässigen Wachstum mit chaotischer Weitervernetzung führten, sondern zur Bildung von Teilsystemen mit übergeordneter Struktur“. (Vester, Neuland des Denkens, S. 40)
2. Beachtung systemischer Eckwerte: Damit Netzwerke in einem harmonischen Ordnungszustand funktionieren, braucht es das Berücksichtigen von Grundregeln. In der Grameenbank sind es etwa Eckpfeiler der Transparenz, Vertrauen, Werteorientierung, Einfachheit, Verbindlichkeit. Eine Ordnung kann dann aufrecht erhalten werden, wenn als Essenz die drei systemischen Kernwerte gelebt werden: Wille (Motivation, Verantwortung, Verbindlichkeit, ...), Weisheit (Transparenz, Wissen, Information, Forschen, ...), Liebe (Offenheit, Wertschätzung, Vertrauen, Toleranz, ...). Systeme müssen eine gewisse Konstanz bieten, damit eine Kontinuität besteht, müssen aber auch offen sein für neue Impulse und Bewegungen (offene und nicht geschlossene Teilsysteme). (nach Poostchi, Spuren der Zukunft)
3. Visions-Kompetenz: Das Netzwerk soll die Kompetenz haben, in individuellen und gesamthaften Prozessen das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen zu können und selber authentisch zu sein. Barbara Sher würde hier vom Wesenskern sprechen: Was ist das wirklich tragende in den Wünschen? Welche Träume sind so tief verwurzelt, dass es Menschen in einen positiven Entfaltungsprozess bringt und gleichzeitig ein einmaliges Talent der Gesellschaft zur Verfügung gestellt wird? Durch die Tiefe der Vision wird eine soziale Anschlussfähigkeit hergestellt. Diese Kompetenz verlangt einen achtsamen, empathischen Umgang der Einzelnen mit den anderen und dem Ganzen. Wegleitend kann hier etwa untenstehendes Diagramm sein:
4. Lösungs- und Nutzenorientierung: Kernteams im Sinne von Selbshilfegruppen brauchen ein lösungsorientiertes Know-How und eine klare Nutzen-Orientierung. Kreativ-konstruktive Prozesse sind nur möglich, wenn sich das Team selber moderiert oder moderiert wird. Nur so ist ein Intensitäts-Level erreichbar, der sich von Tee-Kränzchen absetzt und in die Tiefe geht.
In der Umsetzung dieser oder ähnlicher Grundannahmen und Kernwerte für ein Netzwerk Visions Forum Schweiz bestehen zu Beginn noch viele Fragen. Erste Erfahrungen sollen Erkenntnisse liefern und die Grundlage bilden, einen Prozess sinnvoll in die Zukunft hinein planen zu können.