Visionsarbeit für alle!

Über die Herausforderung, sich auf sich einzulassen und seinen Weg zu gehen

Ich habe keine Zeit für meine Visionen. Ich habe kein Geld, um an die Umsetzung meiner Herzenswünsche zu denken. Mir geht es schlecht, ich habe keine Kraft, mich um das zu kümmern, was meinem Leben wirklichen Sinn verleiht. Solche Antworten höre ich öfters von Menschen, die an der Visionsarbeit interessiert sind, sich aber nicht getrauen, sich auf sich selber und ihre Herzenswünsche einzulassen.

Wir spüren sie alle, und manchmal lassen sie uns nicht mehr los: Unsere wahren Bedürfnisse und Herzenswünsche. Hartnäckig melden sie sich, immer und immer wieder. Sie sind Ausgangspunkt einer Rastlosigkeit und Suche, einer Suche nach Befriedigung, Sinn, Erfüllung, Zufriedenheit und Glück. Doch was, wenn ich selber nicht weiss, was ich will? Was, wenn ich selber vor dem zurückschrecke, was ich wirklich will? Und was, wenn ich gar keine Zeit finde, meine wirklichen Visionen zu leben?

beduerfnispyramide

Werfen wir zur Klärung einen kurzen Blick auf die Bedürfnis-Pyramide von Abraham Maslow. Er beschrieb verschiedene Bedürfnis-Ebenen in Form eine Pyramide, in der ,Defizit-Bedürfnisse' die Grundlage, das Fundament bilden. Es sind dies Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken und Atmen. Erst, wenn diese Bedürfnisse gestillt sind, entstehen nach Maslow Bedürfnisse nach Sicherheit, Freundschaft, Anerkennung und Selbstverwirklichung.

Nun können wir uns fragen: Wo in dieser Pyramide können wir Visionen orten? Viele sind geneigt, hier auf die Spitze der Pyramide zu zeigen: Visionsarbeit gehört ihrer Meinung nach zur Selbstentfaltung, zur Selbstverwirklichung.

Falsch! Visionen können auf allen Bedürfnisebenen entstehen und sind eben nicht nur Ausdruck der Selbstverwirklichung. Nicht erst seit ihm, aber vor allem auch durch seine Arbeit, die Arbeit von Muhamad Yunus, dürfen wir begreifen: Auch die Ärmsten der Armen haben Visionen, kraftvolle Bilder, die ihrem Leben neue Hoffnung geben, ihrer Arbeit Sinn verleiht und ihr Wirken beflügelt. Und hier möchte ich endgültig einen unheilvollen Bann brechen! Nicht erst mit vollem Bauch lässt sich visionieren. Nicht erst, wenn alle Pflichten des Lebens erfüllt sind und wir uns zufrieden aufs warme Sofa fallen lassen, dürfen wir unser Herz öffnen und Visionen einen Raum geben...

Nein, gerade wenn nichts mehr läuft, wenn wir im Tunnel stecken und keinen Ausweg mehr sehen, wenn wir kraftlos auf unsere Knie sinken und alles verloren scheint: Dann, sage ich, dann ist die Zeit, Ihre Visionen zu leben! Zu keiner anderen Zeit können sie die Kraft eines Visions Teams mehr erfahren, als dann. Und vielleicht nicht nur, wenn Ihnen Gleichgesinnte freundschaftlich und einfühlsam neue Ideen anbieten, neue Türen öffnen zu bislang unbekannten Sichtweisen oder sich vielleicht anbieten, mit Ihnen ein Stück Weg zu gehen. Vielleicht auch dann, wenn sie sich auf einmal mit Problemen von anderen zu beschäftigen beginnen, die die ihren in den Schatten stellen. Vielleicht erleben sie gerade dann einen Moment der Kraft, wenn sie jemandem die Hand reichen, der noch tiefer gefallen ist.

Richtig ist aber wohl, dass, wenn wir die Visionsarbeit gerade am nötigsten hätten, sich auch am stärksten innere Widerstände regen, etwa in der Form von: Ich kann nicht in einem Visions Team mitmachen, weil ich noch keine klare Vision habe. Dieses Argument ist logisch betrachtet vergleichbar mit der Aussage: Ich kann nicht in die Schule gehen, weil ich noch nicht lesen kann. Richtiggehende Killerargumente sind: 'Ich habe keine Zeit' oder 'Ich habe kein Geld'. Für all jene hat wohl damals John Lennon gesagt: Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.

Zeit, Geld, volle Bäuche: All das haben die visionären Micro-Kreditnehmerinnen in Bangladesh auch nicht, und trotzdem machen sie sich auf den Weg. Vielleicht könnten wir hier ganz frech die Sache einmal umdrehen, in dem wir annehmen: Sie haben keine Ideen, keine Zeit, kein Geld, nichts mehr läuft rund, sind am Boden zerstört... Da könnten wir in die Hände klatschen, die Ärmel hochkrempeln und sagen: Ideale Voraussetzungen für ein Visionsteam. Let’s do it, und: Machen wir das Unmögliche wahr.

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