Leitartikel Visions Tagung 2010 in Küsnacht ZH

Kraftquell Vision: Miteinander das Unmögliche wagen!

Sie alle haben es getan: Albert Einstein, Roger Federer, Mahatma Gandhi, Johannes Keppler, Uri Geller, Nelson Mandela, Nicola Tesla, Fanziskus von Assisi, Bill Gates, Bertrand Piccard, Wolfgang Amadeus Mozart und viele andere. Sie haben in verschiedensten Bereichen etwas erreicht, was zuvor niemand für möglich gehalten hätte. Der Ruhm dieser grossartigen Menschen mag uns Mut geben, oder mag uns in selbstgefällige Zufriedenheit versetzen, weil vielleicht Gottes Gnade nur ihnen und nicht auch uns zuteil wurde, weil eben nur sie, und nicht auch wir die Auserwählten sind. Allerdings lehrt die neue Gehirnforschung etwas anderes...

In der christlich abendländischen Kultur sind wir geneigt, uns selber als von der Erbsünde belastete unerlöste Geschöpfe zu betrachten. Um dieses Elend erträglicher zu machen, suchen wir Übermenschen, die wir vergöttern können. Im   Sog dieses heroischen Denkens mag allzu schnell vergessen gehen, wie oft ein Roger Federer verzweifelt als Verlierer vom Platz ging, dass Wolfgang Amadeus Mozart und Albert Einstein unter der Asperger-Krankheit litten und Franziskus früh seinen körperlichen Gebrechen erlag. Manchmal geraten unsere Helden ins Wanken, und wir hören dann das Geständnis eines Tiger Woods, der in Tränen aufgelöst am Bildschirm vor Tausenden von Menschen gesteht: „Ich bin auch nur ein Mensch.“

Dieses Votum lässt aufhorchen, denn vielleicht gibt es, wider erwarten, doch etwas, oder vielleicht mehr als wir erwarten würden, was uns mit diesen Heroen verbindet. Sind sie weniger erlaucht als wir uns einbilden? Können wir vielleicht ähnliches vollbringen, wenn wir nur wollten? Wenn wir davon ausgehen, bedeutet dies, dass jeder ein schier unendliches Potential in sich trägt. Ein Potential und Genius, das wir vielleicht schon mehr oder weniger zur Entfaltung gebracht haben, das uns letztliche aber noch unendlich viele Möglichkeiten eröffnet.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Die Gebrüder Wright gelten als die Erfinder von motorisierten Flugzeugen. Natürlich, wie immer, wenn wir genauer hinschauen, müssten wir eingestehen, dass ihre Erfindung sich nicht einfach aus dem Nichts offenbarte, sondern wichtige Vordenker oder Mitstreiter, die oft im Hintergrund stehen, genauso oder noch wichtiger waren als die besungenen Helden selbst. Aber nehmen wir hier an, dass sie wirklich in der Entwicklung von motorisierten Fluggeräten einen wichtigen Beitrag geleistet haben und in der Menschheitsgeschichte einen wichtigen Schritt getan haben: Wie ist es denkbar, dass die beiden, die einfache Handwerker waren und über keinen Studienabschluss verfügten, ein solches Talent entwickelten?

Viele würden hier meinen, dass die Erziehung einen wichtigen Beitrag geleistet hat. Unverkennbar ist es etwa, dass etwa Johann Christian Bach von seinem Vater musikalisch unterstützt und gefördert wurde, genauso wie Bertrand Piccard aus einer Dynastie von Erfindern und Abenteurern wie Auguste und Jacques Piccard hervorgeht. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass etwa Johann Sebastian Bach zwar ebenfalls in einer Musiker-Familie aufwuchs, aber seinen Vater Johann Ambrosius Bach, Stadtpfeifer und Hoftrompeter, bei weitem übertraf.

Auch die Gebrüder Wright waren Söhne einfacher Eltern und genossen alles andere als einen intensiven Unterricht in Meteorologie, Aerodynamik, Mechanik und Physik: Sie erworben sich das nötige Wissen im Selbststudium! Sie sind mehr als Erben des Dagewesenen und ihnen vermittelten, genauso, wie Johann Sebastian Bach seine Vorfahren bei weitem übertraf. Sie haben aus sich heraus, aus dem Inneren heraus, etwas Neues entwickelt und in einer bestimmten Form den Genius in sich in die Welt getragen. Sie haben für eine Sache eine Leidenschaft und Passion entwickelt, die sie angetrieben hat, rastlos einer Frage nachzugehen: Wie kann der Mensch fliegen, oder wie kann die Musik noch schöner klingen. Sie haben einen uralten Traum, der in der Menschheit von Generation zu Generation wirkte aufgegriffen und wurden in einen Sog der Vision gerissen, der sie nicht mehr losliess. Der Geist hat sie ergriffen und ihr Leben geprägt.

In diesem Sinne bekommt St. Exupérys Ausspruch: „Es ist der Geist, der die Welt bewegt“ eine tiefe Bedeutung. Erstaunlicherweise eine Bedeutung, die auch von der modernen Gehirnforschung belegt wird. So spricht hier etwa Prof. Lutz Jänke von der Neuroplastizität des Gehirns: Das Gehirn passt sich den Anforderungen unserer Umwelt an. Schon nach drei Stunden Beschäftigung etwa mit Musik beginnt sich unser Gehirn umzuformen und zu optimieren in Hinblick auf die neuen Aufgaben, die ihm gestellt werden. Wenn ich nun getrieben bin von einer Vision, wie etwa Albert Einstein, der eines der wichtigsten Rätsel in der Physik lösen wollte, beginnt sich fast unmittelbar nach der Beschäftigung mit der neuen Aufgabe, unser Gehirn dieser Herausforderung anzupassen. Das heisst aber auch, dass unser Gehirn ein Multi-Task-Organ ist, und wenn wir uns entscheiden, in eine Richtung zu gehen, folgt uns unser Hirn, ja, mit Sicherheit nicht nur es, sondern jeder Muskel, jede Faser wird in Hinblick auf die Vision und neue Zielsetzung neu ausgeformt und optimiert.

Wenn wir die Forschungsergebnisse von Prof. Jänke ernst nehmen, dann geschieht das Entscheidende dann, wenn wir uns für eine Sache entscheiden und verpflichten, dass wir uns auf etwas einlassen. Die kleine Ann Sophie Mutter greift, getrieben von einem inneren Feuer und einer schier unendlichen Entdeckerfreude im musikalischen Bereich zur Violine, wenn ihre Gespielinnen ein Eis essen gehen. Der kleine Roger Federer greift, getrieben von einer unbändigen Lust, zum Racket, wenn seine Freunde in der sommerlichen Hitze sich in der Badeanstalt ins kühle Nass werfen, der junge Vincent van Gogh greift zum Pinsel, wenn sich andere mit Frauen vergnügen.

Wenn wir diesen Ansatz zu Ende denken, steht die ganze Welt der unendlichen Möglichkeiten vor uns da, und alle Unmöglichkeiten der Welt werden dann zu Möglichkeiten, wenn wir unserer Vision folgen, wenn wir uns unserer wahren Leidenschaft hingeben und das werden, was in uns werden will. Genau so wie es Herrmann Hesse einst sagte: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“.

Es ist viel mehr möglich, als wir ahnen, und vielleicht haben wir schon alle dann und wann erlebt, dass die Vorsehung vieles möglich macht, wenn wir uns nur einer Sache verpflichten. Der schottische Bergsteiger W.H. Murray brachte dies in der bekannten Essenz der Verpflichtung zum Ausdruck: „Über Entschlusskraft und Schöpfung gibt es eine grundlegende Wahrheit, und die Unkenntnis davon zerstört unzählige Ideen und grossartige Pläne: Und das ist, dass in dem Moment, da jemand sich endgültig verpflichtet, dann auch die göttliche Vorsehung Einzug hält. (...) Was immer Du tun kannst, oder wovon Du träumst, Du könntest es tun; beginne damit! Kühnheit trägt Genius, Macht und Zauber in sich. Beginne es jetzt!

Der Weg, der uns an die Spitze führt, ist selten ein einsamer. So heisst es denn auch: „Hinter jedem grossen Mann steht eine grosse Frau.“ Auch ein Fabian Cancellara oder Carlo Janka stehen nicht alleine da: Gerade in unserer Hochleistungswelt sind alle grossen Helden nur ein Gesicht für ein eingespieltes Team von sich möglichst optimal ergänzenden Fachkräften und Freunden, die gerade dann zur Stelle sind, wenn es schwierig wird. Wir können es nicht alleine tun, und je weiter wir gehen, desto wichtiger wird die Unterstützung durch ein Netzwerk, das uns ergänzt und Support bietet auf allen Ebenen.

Die Visionärin Barbara Sher hat dies als ein wichtiges Grundprinzip in der Visionsarbeit erkannt. Sie meint: Wir brauchen nicht perfekt zu sein, wir brauchen einzig ein funktionierendes Netzwerk. Diese Erkenntnis steht letztlich hinter der Entwicklung der Erfolgsteams, von lösungsorientierten Klein-Selbsthilfe-Teams.

Angeregt durch alle Möglichkeiten dieser Welt und inpiriert von dem, was wir davon leben möchten, regen wir an, dass sich alle Visionäre und Interessierten an der kommenden Visions Tagung vom 25. – 27.11.2010 in Küsnacht ein zweites Mal treffen um dem Schubkraft zu verleihen, was in uns lebt. Gehören auch Sie dazu?

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