Nachklang Visions Tagung 2010

Die Vision einer Rose

Neujahr, 1.1.2011. Eine Rose blüht und blüht, bis ins neue Jahr. Nach weit über einem Monat blüht diese Rose immer noch. Sie stand als Blumenschmuck auf der Bühne in Küsnacht ZH und verfolgte die 2. Visions Tagung wohl aus Ihrer Optik. Sie hörte am Vormittag Menschen, die Ihre Stimme erhoben und engagiert und gestenreich andere beflügelten durch das, was sie erlebten, erkannten, erlitten, erspürten und arahnten. Am Nachmittag schwollen die Stimmen immer vielfältiger an, durchmischten sich lebendig, einzig durchbrochen von der zwischenzeitlichen Stille und musikalischen Tönen. Ein Orchester aus Stimmen und Bewegung, ein Tanz von Menschen mit dem Leben, Menschen, die einander bereichern, in der Stille, im Gespräch, im Tun. Ein anregender Tag, der stärkte, labte und einen Ruf beinhaltete, ein Ruf ins lebendige Tun. Ein Ruf, der stärker zu sein scheint, als das gewöhnliche Naturgesetz, das Schnittblumen welken.

Die Visions Rose hielt die Vision des Lebens aufrecht. Anstatt zu verblühen, bildete sie in der Vase Wurzeln und trieb neue Blätter aus. Möge sie Sinnbild sein für die Kraft, die uns zugefallen sein mag an der 2. Visions Tagung 2010.

Hier einige der Blitzlichter aus der Tagung.

Karl Gamper:

Es gibt eine mechanistische Zeit. Sie ist ein mentales Koordinatensystem. Wir können uns das vorstellen als einen horizontalen Zeit-Pfeil. Wenn wir Zeit als 4. Dimension nach Einstein verstehen, gelten aber andere Gesetze. Hier ist Zeit das „Jetzt“, wir können uns das als einen senkrechten Pfeil vorstellen. Das Jetzt enthält alles. Wir verstehen das Jetzt im Sinne eines offenen Werdens. Leben ist dialektisch, sich in Spannungsfeldern dynamisch entwickelnd. Ich spreche hier oft von „Idealität“: Hier ist alles möglich. Die Idealität ist eine Information, eine Matrix, eine Idee, alles Mögliche kann hier in die Realität herunterkollabieren.

Wir sind aufgerufen, in uns Räume zu schaffen, um uns an diese 4. Dimension, an diese Bioinformation anzudocken, an dieser Dimension der unendlichen Möglichkeiten. Zunächst gilt es, ein Bewusstsein für diese Dimension zu schaffen. Es gilt, Visionen für uns zu erfassen. Wir können uns in unserem Leben in diese Kraft fallen lassen. Wir müssen uns nicht enorm anstrengen, um Dinge zu tun. Wir können uns verankern in einem Nicht-Tun. Alles ist in diesem Sinne „Zufall“, alles fällt uns zu, wenn Raum in uns vorhanden ist.

David Bohm sprach von einer impliziten und expliziten Ordnung. Er meinte, alles, was in der impliziten Ordnung verborgen ist, kann Wirklichkeit werden. Was geschieht, ist letztlich ein Mysterium, das wir nur staunend gewahren können. Es ist eine Falle, wenn wir die Vorgänge des Lebens verstehen wollen. Lao Tse meinte: Dem zum Tao Berufene ist deutlich, dass er das Tao nicht verstehen kann. Wer meditiert kennt den Raum, der durchflutet ist von Stille.  Das leben läuft anders als nur nach unseren mentalen Vorstellungen. Wir müssen aus diesem rationalen Gefängnis aussteigen. Das Leben ist mysteriöser, als wir uns oft denken.

Der Mensch ist Schöpfer, und es ist wunderbar, als Visionär aus meiner Zukunft, aus meinem Zukunftsbild heraus, zu handeln. Es braucht eine Balance im Leben zwischen Notwendigkeit und Kraft. Die Notwendigkeit ist das Äussere, die Kraft jedoch ist das Innere, das Dao, der Seelenanteil, das Göttliche. Diese Balance zu halten ist die Grundlage von Erfolg und einem gut gelebten Leben. Der Verstand ist Notwendigkeit, die Seele Kraft. Pythagoras, der erste Buddha des Abendlandes, formulierte das treffend im Satz: „Ein ewiges Gesetzt bindet Notwendigkeit an Kraft.“ Es geht darum, sich der Notwendigkeit mit einer heiteren Gelassenheit hinzugeben und in einen Tanz einzutreten. Was uns wirklich glücklich macht, ist, wenn wir mit dem Umständen tanzen und so in einen Flow kommen und in einer Seeligkeit leben.

In der Visionsarbeit erschaffe ich mir einen Fixstern, ein Gemälde dessen, was ich werden will. In der Umsetzung dieses Bildes werde ich selber zur Wirkung meiner eigenen Ursache. Es gibt aber auch eine in der Evolution innewohnende Vision. Es gibt etwas, wodurch sich das Leben durch uns zeigen will.

In unserer Welt gab eine Art Umkehr: wir haben oft gehört, wir müssten dies und jenes tun um glücklich zu sein. Es wäre doch aber eigentlich so, dass wir sagen sollten: Werde zuerst selig, der Rest kommt von selber. Wir müssen nicht verstehen, wie etwas geschehen kann, es geschieht einfach, wenn wir diesen Duft der Seeligkeit ausströmen.

Vor ca. 5'000 Jahren haben sich in der menschlichen Evolution die Gehirnhälften verbunden durch das Corpus Colossum. Vorher fühlte sich das so an, dass das, was wir mit der einen Gehirnhälfte gedacht haben, wie etwas von aussen kommendes wahrgenommen wurde. Die Menschen haben gedacht, dass die Götter zum Menschen sprechen. Meine These ist, dass sich heute, 5000 Jahre später etwas in unserem Gehirn verändert, dass wir uns nicht mehr getrennt fühlen. Wir wären dann fähig, die holographische Struktur des Universums zu dekodieren. Woher ich auch immer schaue, ich sehe immer das Gesamte. Das heisst, es ist wichtig, von welchem Gesichtspunkt aus ich schaue. Wenn ich mit Freude schaue, dann wird mir das Universum auch so entgegenschauen. Ich erlebe mich als Tropfen im Ozen und es ist ein Ozean im Tropfen. Und es ist ein Ozean der Liebe. Die Realität ist unendlich weich. Sie hängt davon ab, wie ich hinschaue.

Ich glaube, dass die Angst zum Menschsein gehört. Es gibt so etwas wie eine Nacht der Seele. Angst ist ein Gegenpol von Licht und Liebe. Es hängt davon ab, wo ich mich verankere. Es geht darum, dass wir die Angst annehmen und die Angst dem Herzen zeigen. Angst führt uns in eine Karma-Schlaufe, einem Auf und Ab im Leben. Wenn ich das durchschaue, wenn ich das Karma durchschaue, in dem Moment öffnet sich uns das Dharma, das Gesetz, und ich fliege mit dem Drachen unserer Bestimmung und ich lasse mich nicht mehr in die Gefühle der Angst ein. Wann immer ich Angst erlebe, halte ich inne, das ist ein Moment des Jubels, denn ich kann die Angst erlösen, ich lasse los, lasse mich nicht in die Angst ein. Und dieses Gefühl ist die höchste Form von Kontrolle.

Eine visionäre Perspektive ist die Liebe. Es ist der ewig volle Brunnen, der immer voll ist, auch wenn wir davon trinken. Wenn wir mit dem Leben mitgehen, wird das Leben irreversibel erfolgreich.

 

Andrea Clavadetscher:

Andrea Clavadetscher konnte es sich zunächst nicht vorstellen, doch er machte das Unmögliche möglich: RAM, Race Across America: Ein Rennen quer durch Nordamerika, 4’700 km in acht bis neuen Tagen, mitten im Sommer, bei grosser Hitze. Das heisst: 216 Stunden Rennzeit, 14 Stunden Schlaf, 18 Stunden Standzeit.

Was sind die Erfolgsfaktoren: Es ist wichtig, ein Ziel zu haben, dass auch Sinn macht. Es braucht auch Mut, sich anzumelden für ein Rennen, bevor man das Budget beieinander hat. Es braucht zudem die richtige Einstellung, eine gute Vorbereitung. Zentral ist ebenfalls auch das Team, das den Athleten in einem Pace-Car begleitet. Ohne Team gibt es keine grosse Leistung. Wir müssen auch Verantwortung übernehmen, es ist wichtig, sich Fehler zugestehen. Kommunikation und Vertrauen und Erfahrung sind weitere Erfolgsfaktoren. Es ist wichtig, aus Fehlern zu lernen. Sind der menschlichen Leistung Grenzen gesetzt? Die Grenzen sind lediglich da, wo unsere Vorstellung endet!

 

Gudrun Schwarzer:

Ausgangspunkt der Entwicklung von Gudrun Scharzer war eine persönliche Krise, in der sie gespürt hat, dass berufliche Veränderungen anstehen. In dieser Zeit sind Gudrun Schwarzer die Bücher von Barbara Sher in die Hände gefallen. Eine verrückte Idee war auf einmal da: Barbara Shers Bücher ins Deutsche zu übersetzen und Wishcraft nach Europa zu bringen. Nicht lange liessen die ersten Zweifel auf sich warten. Sie sind es, die uns oft blockieren und unsere Wünsche und Träume sterben lassen: Das ist der „Body Guard“, eine Instanz in uns, die uns bewahren will vor Misserfolgen.

Wichtig ist es nicht nur, Ziele zu finden, sondern sie auch umzusetzen. Wir brauchen bei der Umsetzung ein Team, das an uns glaubt und uns unterstützt. Ein Erfolgsteam nach Barbara Sher besteht aus 4 – 6 Personen. Erst müssen wir wissen, was wir wollen, ein Ziel haben, das einem Herzenswunsch entspricht. Dann braucht es ein Team: Isolation ist ein Traumkiller.

Interessant ist, wenn wir unsere Wünsche untereinander austauschen: Die Wünsche anderer sind immer möglich, die eigenen trauen wir uns oft nicht zu. Es ist wichtig, Ziele klein zu machen, so dass wir auch schnell Erfolge erleben können. Wichtig beim Erfolgsteam ist, dass andere wollen, dass wir Ziele erreichen. Sie warten darauf, dass wir Schritte tun, damit wir miteinander feiern können. Es ist nicht die menschliche Natur, Einzelkämpfer zu sein. Jeder braucht für den Erfolg Unterstützung. Wenn wir diesen Teamgedanken leben, müssen wir dem aktuellen Selbstverbesserungswahn nicht mehr fröhnen.

Hans Peter Dürr:

Vor 100 Jahren geschah eine Revolution in der Naturwissenschaft, die nur von wenigen wahrgenommen wurde. Es ergab sich ein neues Weltbild durch die Quantentheorie. Die Grundlage hierfür wurde von Werner Heisenberg erarbeitet. Was wir herausgefunden haben, ist, dass Materie gar nicht exisitiert. Wir kommen hier unweigerlich zu Fragen der Mystik und Spiritualität. Deswegen ist in der Visionsarbeit auch die Einkehr in die Stille wichtig, weil ich, wenn ich allein bin, feststelle, dass ich gar nicht allein bin.

Wir erleben mehr als wir begreifen. Wir können zum Beispiel Liebe erleben, aber können wir sie erklären? Wir können die Welt auf zweierlei Arten wahrnehmen: Indem wir glauben (ahnen, inspiriert werden, intuitiv wahrnehmen), was einem adualen Weltbild entspricht. Wir können die Welt auch erfahren (wissen, begriffliche Sprache, Erkenntnis), was einem dualen Weltbild entspricht. Meister Eckhart meinte, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, nicht greifen können. Die Wirklichkeit ist adual, die Realität ist dual. Hier, in der Realität, erlebe ich mich getrennt vom Aussen, nur hier ist Objektivität möglich. Die Wissenschaft basiert auf der Realität, nicht auf der Wirklichkeit. In diesem Modus der Realität können wir das Lebendige gar nicht erfassen. Die zwei Sichtweisen kann man auch in einem Vexierbild darstellen: Wenn ich von Realität spreche, sehe ich die Vase im Inneren, wenn ich von Wirklichkeit spreche, sehe ich zwei Gesichter aussen, die sich zugewandt sind.

Aus dem alten Denken entspringt auch die Theorie des Urknalls. Man lässt dabei dem lieben Gott nicht einmal eine Woche Zeit, das Universum zu erschaffen. Es ist alles plötzlich da, und alles ist dabei festgelegt, selbst, wie sie gerade dasitzen. In dieser Welt kann ich auch keine Verantwortung übernehmen. Es gibt nach der neuen Sicht keinen einzigen Big Bang, es big bangt in jedem Moment.

Die Biologen versuchen das Lebendige als ein sehr kompliziertes Unbelebtes zu beschreiben. Das charakteristische am Unbelebten ist, dass das Wahrscheinlichere wahrscheinlicher passiert. Die Sichtweise des Unbelebten geht davon aus, dass eine Entwicklung stattfindet von der Ordnung zur Unordnung. Materie ist nach dieser Sicht dann stabil, wenn die maximale Unordnung entstanden ist. Wir können das am Beispiel eines Schreibtisches erfassen: Er wird immer unordentlicher, bis ich selber eine Ordnung reinbringe. Die Ordnung entsteht durch Unterscheidung.

Die neue Wissenschaft geht davon aus, dass Wirklichkeit Potentialität ist. Am Anfang gibt es Beziehung, nur eine Gestalt, nur das Dazwischen. Wir können das am Beispiel eines Handys beschreiben: Wie funktioniert ein Handy? Viele denken, dass die Antenne den Äther in Schwingung versetzt. Aber seit Einstein wissen wir, dass es keinen Äther gibt, es schwingt das Nichts. Die neue Sichtweise hat drei wesentliche Konsequenzen: Es gibt keine Materie, die Wirklichkeit hat ein immaterielles Fundament, besser sprechen wir noch von einer amateriellen Urquelle. Die Struktur ist ganzheitlich und die Zukunft ist offen.

Alles ist nach der neuen Sichtweise mit allem verbunden. Es gibt kein ‚Ist’, es gibt nur Änderung. Es gibt keine Atome, die so sind, wie sie erscheinen, es gibt nur Änderung. Wir sagen dazu „Wirks“, keine Teilchen, nur „Passierchen“. Die indogermanische Sprache basiert auf Substantiven, auf dem Begrifflichen. Es geht aber nicht darum zu ergreifen, sondern zu erspüren, es geht darum, möglichst nicht abtrennen, um zu verstehen.

Die Elektronenbahnen sind nicht klar vorgegeben, die Bahnen sind verschmiert. Es sind letztlich wie stehende Wellen. Was sich in uns abspielt ist nicht unter unsere Haut zu kriegen, nein, es geht darüber hinaus, wird nur schwächer. Das ist die Ahnung. Wir sind im Hintergrund verbunden. Das ist auch die Grundlage der Kooperation. Alles Lebendige ist mehr wie ein Gedicht. Wir können das Gedicht nicht mit der Lupe erfassen, sondern nur aus dem grossen Zusammenhang. Die Schöpfung ist eine Einheit, besteht nicht aus einzelnen Bausteinen. Die neue Logik ist nicht binär, sondern offen: Es geht um Wahrscheinlichkeiten oder Potentialitäten.

Die Zukunft ist offen und kreativ. Das können wir an einem Pendelversuch verstehen: Der oberste Punkt, ist der Punkt der höchsten Sensibiliät. Hier wird die Pendelbewegung nicht mehr erklärbar. Das Tripel-Pendel ist ein Pendel am Pendel am Pendel: Die Bewegung ist hier nicht mehr berechenbar. Je mehr Pendel, umso lebendiger und unberechenbarer wird das Pendel. Je unberechenbarer, komplexer das Geschehen, umso mehr besteht ein Kontakt mit dem Hintergrund: Das ist das Prinzip des Taifuns, der durch einen Schmetterlings-Flügelschlag ausgelöst wird. Das Gehen auf zwei Beinen ist ein komplexer Vorgang: Die Beine bewegen sich pendelartig unabhängig, es braucht Differenzierung, aber es braucht auch Kooperation, damit eine Bewegung stattfindet: Das ist ein Beispiel für Lebendigkeit.

Die Welt differenziert sich aus und bildet neue Strukturen durch Kooperation. Das ist die neue Sichtweise. Und es gibt einen Zusammenhang in der Welt: Ich nenne es Liebe.


Günter Faltin:

Früher galten in der Ökonomie andere Regeln als heute in der postindustriellen Phase. Füher brauchte es viel Einfluss und Kapital. Heute werden in den USA trotz viel Tam Tam um Venture Capital 70% der Neugründen von Firmen mit Kapital aus dem Bekanntenkreis, aus eigenen Mitteln, gemacht. Leider verschwinden 80% aller neu gegründeten Firmen nach fünf Jahren vom Markt, der grösste Teil ist Konkurs gegangen. Das heisst, nach herkömmlichen Regeln gegründete Firmen scheitern meist: Die Ökonomie hat einen riesigen Ausschuss.

Wie können wir auf einfache Art und Weise Firmen gründen? Ökonomie hat etwas mit Menschen zu tun, nicht mit Formeln. Das Beste am Menschen ist meist sein Spleen, das andere, einzigartige zählt. Innovation entsteht an den Rändern der Disziplinen, an den Reibungsflächen.

Zentral ist es, die Bedürfnisse der Menschen zu verstehen. Sie können nicht kreative Konzepte entwerfen und zusätzlich auch noch Betriebswirtschaft beherrschen. Wir können in einem Unternehmen nicht alle Disziplinen beherrschen. Das ist heute eben auch gar nicht mehr nötig.

Entrepreneurship hat im Deutschen keine Entsprechung. Entrepreneurship heisst einerseits, das Neue denken und umsetzen, andererseits aber auch Business Administration, verwalten. Der Engpass heute sind die kreativen Ideen, nicht die Business Administratoren. Der Künstler ist heute das Idealbild des Entrepreneurs. Wir sind gut aufgehoben, wenn wir uns an den kulturell Kreativen orientieren, nicht an den Verwaltern.

Es geht heute um reife Konzepte. Es geht darum, nahe an den Bedürfnissen der Menschen zu sein. Es geht darum, etwas Neues zu kreieren. Wir können es meist nicht mit den bestehenden Geschäften aufnehmen, wir müssen es anders machen. Ein wichtiges Prinzip ist die Einfachheit. Es geht dabei auch darum, Konventionen aufzugeben. Bei der "Teekampagne" ging es darum, am Zwischenhandel vorbeizukommen um Tee günstiger anbieten zu können. Es geht darum, Dinge neu anzubieten, etwas zu tun, wo andere schwach sind. Es geht darum, Dinge geschickt zu kombinieren. Ein gutes Konzept auszuarbeiten braucht Zeit, um zu reifen, bis zu zehn Jahre braucht es und bis zu 50'000 Informationen können verarbeitet werden.

Wir können uns Unternehmen aus Komponenten zusammenstellen. Bei einem Komponisten erwarten wir Innovation, aber er muss nicht die Noten selber neu erfinden. Letztlich geht es dann bei diesen Betrieben nur noch um die Koordination der Komponenten. Die heutigen Unternehmen sind virtuell, keine Lager, nur Komponenten, die von Beginn weg gut funktionieren.


Karl Gamper:

Wir leben in einer Gesellschaft im Umbruch. Die Gesellschaft ist eine Naturgewalt geworden. Um 1900 waren wir eine Milliarde Menschen, heute sind es bereits 6.9 Milliarden Menschen, nur innerhalb von hundert Jahren geschah eine unglaubliche Vervielfachung der Menschheit. Wir brauchen einen Umbruch, weil wir so nicht weiterfahren können. Ilya Prigogine, Nobelpreisträger für theoretische Chemie, hat nachgewiesen, dass ein System eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern zählen muss, um einen Sprung auf eine nächst höhere Ebene zu schaffen. Damit wir Menschen auf eine höhere Stufe springen können, braucht es eine höhere Anzahl.

Wie hat sich die Menschheit entwickelt? Zunächst begegneten wir der Welt mit einem  archaischen Bewusstsein. Wir waren wie in einem Nebel. Dieses Bewusstsein kommt uns noch in der Kultur der Aborigines entgegen. Im magischen Bewusstsein begannen wir, die Natur zu manipulieren. Es entwickelten sich Rituale, um die Elemente beherrschen zu können. Das mythische Bewusstsein war geprägt von Geschichten, es bildeten sich Clans mit ihren eigenen Geschichten. Derzeit stehen wir kollektiv im Bewusstsein des rational-mentalen Bewusstsein. Dieses vorherrschende Primat begann mit Decartes Ausspruch: Ich denke, also bin ich. Was sich derzeit ankündigt, ist eine postmoderne Sicht. Wir leben heute in der Welt der vielen Möglichkeiten. Das Denken hat einen hohen Stellenwert. Was kommt, wird jenseits des Denkens sein, wir können es nur erahnen. In unserer Evolution haben wir uns immer stärker in unser Ich entwickelt, es war ein Prozess der Individualisierung. Damit verbunden ist nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch, eine Illusion, dass wir im Getrenntsein leben. Wir ahnen, dass das Neue die Beziehung ist, das Miteinander. Wir stehen vor einem Sprung des Ich-Gefühls in ein Wir-Gefühl. Es geht darum zu erkennen, dass wir Brüder und Schwestern sind, und dass wir als kollektive Schöpferkraft eine schöne Zukunft gestalten. Dabei erkennen sich Menschen als Menschen. Krieg oder Hunger wäre dann nicht mehr möglich. Dieser Schritt wird möglich, nicht indem wir etwas tun, sondern indem wir zulassen und das Grenzüberschreitende zulassen und uns in dieser Kraft verankern. Leben ist nicht vorherbestimmt, die Schöpfung ist nicht vollendet. Wir sind Teil der Schöpfung. Wir sind diejenigen, auf die wir solange gewartet haben. Wir sind in der Lage, innert kürzester Zeit, die Welt zu retten. Der nächste Sprung ist wohl vielmehr ein Fallen, ein Fallen in die Liebe.

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