Alles ist möglich! Eine Mut-Macher Geschichte für Lebensdurstige
Die häufigste Ausrede, warum wir unsere Visionen und Lebensträume nicht leben, ist das ultimative Killerkriterium: „Ich habe kein Geld“. Mit hängenden Schultern, starrem Blick und einem tiefen Seufzer sitzen die Geldlosen da und können sich schon fast sicher sein, dass alle in ihrem Umfeld mitleidig einstimmen in den traurigen Abgesang der manchmal aufflackernden Lebenslust. Alle? Nicht wirklich, weil mich dieses Argument nicht mehr ganz so arg beeindruck wie noch vor 1996.
Damals, 1996, studierte ich Sozialarbeit an der Universität Freiburg, war verheiratet und stolzer Vater eines einjährigen Sohnes. Als Studentenfamilie lebten wir weit unter dem fürsorgerechtlichen Existenzminimum, was uns in keiner Weise an Träumen und schönen Spaziergängen in der Gegend abhielt. Auf einem dieser Ausflüge entdeckten ich und mein Sohn, den ich auf den Schultern trug, „unser“ Haus. Ein kleines, verlassenens Bauernhaus, eine idyllische Ruine mit einem neuen Dach, alleine, mitten im Grünen auf einer Halbinsel der Saane. Die Kälber stoben auseinander, als wir beide staunend und neugierig auf das Haus zuschritten. Etwas berührte mich tief in meinem Inneren, mir wurde warm ums Herz und ich ahnte gleich im ersten Moment, dass dieses Haus ein Teil meiner Geschichte werden würde.
Mit klopfendem Herzen eilten wir nach Hause. Dort angekommen berichtete ich meiner Frau ausser Atem: „Du wirst es nicht glauben, wir haben unser Haus gefunden, unser Traum-Haus!“ Meine Frau starrte mich zunächst etwas ungläubig an. Erst eine Besichtigung vor Ort machte alles klar: Das ist unser Traumhaus, in dem wir wohnen möchten.
Nach Recherchen bei der Gemeinde war der Besitzer schnell ausgemacht. Es war eine Baufirma. Telefonisch erkundigten wir uns etwas zaghaft, ob das Haus nicht etwa irgendwann zu vermieten wäre? Eine freundliche und bestimmte Stimme antwortete etwas erstaunt, dass sie soeben beschlossen hätten, das Haus zu verkaufen. Die Firma hätte auf dem Gelände Kies abbauen wollen, dieses Vorhaben sei aber aufgrund der schwierigen Zufahrt und der Naturschutzzone entlang des Flussufers gescheitert. Wenn wir möchten, meinte der Immobilienverwalter, könnten wir das Haus besichtigen. Wir schluckten ein paar Mal leer und sagten uns schliesslich, dass eine Besichtigung ja wohl nichts kosten würde.
Bereits einige Tage später standen wir mit dem Immobilienverwalter vor dem Haus und besprachen den Kaufpreis. Kurz darauf hielten wir die Kauf-Offerte in den Händen: Fr. 150'000.— und eine unbestimmte Summe für die Renovation. Wir, meine Frau und ich, bekamen weiche Knie. Wir verdienten kaum etwas und hatten absolut keine finanziellen Reserven. Je länger wir Pläne schmiedeten, desto verwegener wurde aber eine trotzige Kraft in uns, die sich auflehnte gegen den Verstand, der uns als verrückt erklärte. Wie konnte das nur funktionieren? Wir hatten keine Ahnung, aber irgendwann erstand in uns eine wundersame Gewissheit und wir sagten uns: “Wir haben keine Ahnung, wie wir das schaffen können, aber wir werden alles unternehmen, um diesen Traum wahr werden zu lassen.“ Wir hatten uns richtiggehend in einen Rausch geträumt und alles begann sich um dieses Projekt zu spinnen. Gleichzeitig blieben wir aber innerlich sehr ruhig und in uns war ein Gefühl, dass, wenn es nicht sein soll, wir auch jederzeit wieder loslassen können und uns auf keinen Fall in ungute Abhängigkeiten manövrieren möchten.
Einige Tage nach unserem verwegenen Entschluss tauschte ich mich mit einer Freundin und Studien-Kollegin aus. Sie erzählte mir traurig vom Tod ihrer Mutter und von einer beträchtlichen Erbschaft. Ich ahnte noch nichts, aber dann sagte sie zu mir: „Ich möchte dieses Geld nicht in einer Bank deponieren, ich möchte das Geld für einen guten Zweck und ein soziales Projekt investieren.“ Dann fragte sie mich tatsächlich: „Kennst du ein Projekt, wo ich mein Geld investieren könnte?“ Ich muss an dieser Stelle wohl etwas nach Luft gerungen haben, schliesslich meinte ich aber, dass ich da sehr wohl eine Idee hätte und dass wir da gerne einmal gemeinsam etwas besichtigen könnten.
Mit diesem Darlehen und einem Erbvorschuss konnten wir schliesslich das Haus kaufen. Die Bankangestellten schüttelten zwar zunächst befremdet den Kopf, als wir ihnen mitteilten, dass wir aus Eigenmitteln ein Haus gekauft hätten, und nun von Ihnen nur noch einen Rennovations-Kredit benötigen würden und fragen vergeblich nach unseren Lohnausweisen. Schliesslich wurden wir aber bei einer kleinen lokalen Bank fündig, und so konnte das Abenteuer Haus-Umbau beginnen.
Es war nicht immer einfach und es folgte eine Zeit, die uns oft alles abforderte. Vieles hat sich aber immer wieder auf wundersame Weise gefügt (siehe auch Essenz der Verpflichtung). Zum Beispiel wie unsere Studienfreundin, die uns das Darlehen gegeben hat, ihren zukünftigen Mann kennengelernt hat: Er ist nämlich für den Hausumbau zu uns gezogen!
Und die Moral der Geschichte? Projekte brauchen Geld, aber wenn das Geld nicht da ist, braucht es brennende Herzen voller Sehnsucht und Ideen und mutige Hände, die zupacken und arbeiten. Das Geld? Das kommt von alleine... Wirre Theorien? Probiert’s doch einfach aus, und wenn euer Herz noch nicht so richtig entflammt ist, wäre dies vielleicht der richtige Moment, sich auf die Visions Suche in die Natur oder in ein Visions Coaching zu begeben. Denn: Alles ist möglich, auch ohne Geld!